Ich bleib dabei

Schon so oft erwacht,
und plötzlich hat’s klick gemacht,
ich fragte mich…,

„wie viel Zeit…mir noch bleibt.“

Früher tat ich mich verrenken,
Klamotten sollten mich verstecken,
doch ab heute will ich so …
nicht mehr denken,
wer weiß, wie viele Tage sich noch ergeben,
an denen ich die Welt kann erleben.

Schöne Accessoires hab ich gekauft,
weil ich sie besonders und schön fand,
sie funkelten leise, riefen nach mir,
doch ich ließ sie liegen im Schränkchen an der Wand.

In der Öffentlichkeit trug ich sie nie,
ich wollte kein Flüstern, kein Blick, der verweilt,
ich wollte im Strom der Menschen verschwinden,
hab mich immer angepasst und beeilt.

Schon als Kind war ich so,
bloß nicht zu laut und bloß nicht zu bunt,
lieber still in der zweiten Reihe,
mit lächelndem, bedachtem Mund.

Ab jetzt wird man mich anders sehen,
Sie werden denken, was ist geschehen.

Ich bin erwacht. Und ab heute ist Schluss damit,
ich trag, was ich liebe – ganz ohne Frage,
und wenn auch der Wind darüber spricht,
ist’s mir egal, was irgendwer sage.

Die Menschen reden eh, zu dick, zu dünn, zu laut,
guck mal, was die anhat – wird ständig geschaut,
doch am Ende zählt nur, was man sich selbst zutraut.

Ich frag mich oft, was andere wohl sehen,
doch ihre Blicke sind kurz, denn auch sie müssen weitergehen,
also warum nicht einfach zu mir selbst stehen.

Ich akzeptiere meine Macken, auch wenn’s keiner versteht,
und ziehe an, was ich einst so schön fand,
alles, was ich kaufte, aus meinem eigenen Verstand — weil ich’s mag,
und nicht, weil’s jemand anders verlangt.

So ist das wohl: das Alter macht „mich“ frei,
ich werde Ich selbst, ganz ohne Druck,
Streit und Einerlei und liebe mein Leben — und bleibe dabei.

-MK-

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