Arosa

Die Zeitreise an der Ecke Eichhörnliweg:

Wie meine Kindheit in Arosa wieder lebendig wurde

Manchmal hat das Leben eine ganz besondere Art, Kreise zu schließen. Wenn ich heute aus dem Fenster des Zimmers 104 im Hotel BelArosa blicke, ist es, als würde die Zeit für einen kurzen Moment stillstehen. Der Ausblick auf die majestätische Bündner Bergwelt ist fast exakt derselbe wie damals, als ich noch ein Kind war. Nur dass ich damals nicht aus einem modernen Wellnesshotel schaute, sondern aus dem Fenster des traditionsreichen Hotels Belvedere-Tanneck. Dass dieser Ort für mich einmal eine so tiefe Bedeutung haben würde, liegt in der Geschichte meiner eigenen Familie: Meine Eltern haben sich einst hier in Arosa kennengelernt und lieben gelernt. Arosa war der Urknall unserer Familie, und so wurde es auch zu unserer Tradition.

Arosa, Hotel Belvedere vor 1990
Arosa, Hotel Belvedere vor 1990
Arosa, Hotel Belvedere vor 1990
Arosa, Hotel Belvedere vor 1990

Seit ich denken kann, bis zum Jahr 1989, gab es für uns nur ein festes Ziel in den Osterferien: das Belvedere-Tanneck an der Ecke zum Eichhörnliweg. Gemeinsam mit meinen Eltern, meiner großen Schwester und meinem jüngeren Bruder reisten wir jedes Jahr an. Es war eine Welt voller Geborgenheit, die von den wunderbaren Gastgebern Ernst und Rita Tagmann mit so viel Herzblut geführt wurde. Ich sehe es noch genau vor mir: das Betreten der Rezeption, der Duft von Holz, die diskrete Telefonzelle direkt hinter dem Empfangstresen – damals unser Draht zur Außenwelt. Und natürlich der für damalige Verhältnisse hochmoderne, beige Aufzug, der uns sanft summen zu unseren Zimmern brachte.

Sternenstübli im Hause Belvedere
Sternenstübli im Hause Belvedere

An dieser Ecke am Hang, auf der Mittelstation usw. haben wir drei Geschwister das Skifahren gelernt. Ich erinnere mich an das Gefühl von Stolz, dass wir heile die Berge hinab fahren konnten. Sogar die magischen Fackelfahrten. Wir durften das miterleben. Nach so einem langen, aufregenden Tag im Schnee gab es für uns nur einen Ort: das urgemütliche Sternenstübli im Hotel. Schon im Flur empfing uns dieser unverwechselbare, herrliche Geruch nach Heimat – dort gab es die absolut beste Bündner Graupensuppe der Welt. Sie wärmte uns von innen, während draußen der Abend über den Bergen hereinbrach. Arosa war für uns auch der Ort der großen Geschichten. Wenn wir nicht auf der Piste waren, saßen wir im Aroser Kino und ließen uns verzaubern. Bis heute verbinde ich Filme wie „Dirty Dancing“ oder die Abenteuer von James Bond 007 untrennbar mit dem Knistern der Kinoleinwand, Popcorn und der Bergluft meiner Kindheit.

unsere Unterkunft im BelArosa
unsere Unterkunft im BelArosa

Wir wurden erwachsen. Nach 1989 verloren sich die Reisen an diesen spezifischen Ort, das Hotel schloss irgendwann seine Pforten, und das Belvedere wurde Geschichte. Doch die Geschichten in meinem Kopf blieben lebendig. Ich erzählte meinem Mann jahrelang von diesen unvergesslichen Osterferien, vom Sternenstübli, den Tagmanns und den zahmen Eichhörnchen.

Und im letzten Jahr passierte das Unfassbare: Mein Mann überraschte mich mit einer Reise nach Arosa – und buchte uns ausgerechnet in das BelArosa ein, das heute auf dem geschichtsträchtigen Boden meiner Kindheit steht.

Als wir ankamen, war es wie ein wunderschöner Schock. Der beige Aufzug und die alte Telefonzelle sind moderner Architektur gewichen, aber die Seele des Ortes ist geblieben. Als ich am Eichhörnliweg stand und die kleinen, flinken Eichhörnchen sah, wie sie wie vor über dreißig Jahren das Futter direkt aus der Hand fraßen, kamen mir die Tränen vor Glück. Ich sah hoch zu den Bergen, die mit ihren sanften, aber imposanten Zügen doch ein klein wenig anders und so viel vertrauter aussehen als die Gipfel in Österreich.

Dieses Jahr fahren wir wieder dorthin. Die Koffer sind gedanklich schon gepackt, und ich kann es kaum erwarten, wieder an „meiner“ Ecke zu stehen. Letztes und auch dieses Jahr werden wir im Chalet Campino einkehren, um dort die hervorragende, leckere Graupensuppe zu essen. Der Geschmack von damals kehrt zurück – und die Magie von Arosa lässt mich nie mehr los.

Aussicht, wie damals, jetzt aus dem BelArosa
Aussicht, wie damals, jetzt aus dem BelArosa

Danach geht’s in die Kindheit von meinem Mann.

Ins Vinschgau. Herrlich.

Das jedoch wird eine weitere Geschichte 😉

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